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Merkmale der tropischen Kunst
Butterblume ist Sehnsucht
Das Ornament gehört zur tropischen Kunst, wie die Äste zum Baum. Wobei es meistens nicht um oberflächliche Dekoration geht. Ornamente können verschieden Bedeutungen bei verschiedenen Völkern haben. Bei den einen ist eine Zickzacklinie ein Blitz, bei den anderen das gleiche Symbol eine Schlange. Die Zeichen erfüllen meistens die Aufgabe, Beschwörung, Gebet zu sein. Das aufgemalte Auge kann eine Gottheit symbolisieren und wird zum Aufpasser. Senkrechte Linien können Regen sein. Ein halbrunder Bogen bedeutet Regenbogen. Die Butterblume kann die Sehnsucht nach der warmen Jahreszeit sein. Ornamente an Trommeln können das Leben der Vorfahren erzählen. Bei der Körperbemalung ist das Ornament vorherrschend. Südamerikanische Indianer bemalen sich immer dann, wenn sie sich einer Leiche nähern, zu einer gefährlichen Reise oder Jagd aufbrechen.
Butterblume
Butterblume - © by ArtMechanic / Wikipedia
Figur eines Jagdgeistes aus Neuguinea, Mitte 20. Jahrhundert, aus Holz
Figur eines Jagdgeistes aus Neuguinea, Mitte 20. Jahrhundert, aus Holz - © by SMB, Ethnologisches Museum. Foto: Martin Franken.
Dem Stamm dienen
Die häufigsten Plastiken sind Abbildungen von Tieren, Ahnenfiguren und Fetische. Die Ahnenfigur entwickelte sich aus dem Ahnenschädel. Das Tier ist für den Menschen nicht nur als Spender von Nahrung und Kleidung wichtig, sondern es war auch die von seiner Überlegenheit ausgehende Faszination, die man sich aus seiner dämonisch göttlichen Natur erklärte. Krokodilsgeister werden gerne an Tanzstäben, Schlitztrommeln, Holztrompeten angebracht. Damit sie dem Stamme dienen. Wunderwesen sind das Geheimnis von Vergehen und Auferstehung auf den Gräbern der Krieger und Häuptlinge. Mensch und Tier werden eine Gestalt, wenn sich der Mensch in mondheller Nacht eine Tiermaske aufsetzt, sich in Fisch, Antilope oder Leopard verwandelt, den Gang des Tieres nachahmend auf die zum Kultfest Versammelten zugeht. Auf jeden Fall sind die europäischen Stilbegriffe nicht geeignet, um diese Kunst zu beschreiben und einzuordnen. Diese Kunst trägt die innere Verfassung ihrer Völker mit erschütternder Ehrlichkeit. Diese Kunst kennt keinen Heilsbringer.
Schamane aus Amazonien
Schamane aus Amazonien - © by PICQ / Wikipedia
Weibliche Ahnenfigur aus Indonesien, 20. Jahrhundert, aus Holz und Stoff
Weibliche Ahnenfigur aus Indonesien, 20. Jahrhundert, aus Holz und Stoff - © by SMB, Ethnologisches Museum. Foto: Martin Franken.
Clown im Dschungel
Julian Rosefeldt hat für die Ausstellung ein Video-Triptychon produziert, in dem er sich mit einer modernen Maske als Clown verkleidet durchs Unterholz der „Floresta da Tijuca" in Rio arbeitet. Der größte Stadturwald der Welt erinnert dabei an eine friedliche Idylle, in der sich der Clown von der gefährlichen Metropole erholen kann.
Künstler mit Maske
Künstler mit Maske - © by Marcos Chaves.
Verlassenheit contra Behausung
Nach der Selbsterhaltung kommt die Sorge um die Toten. Heimatlose Seelen? Hunger und Durst? Einsamkeit? Diese Not vertreiben die Lebenden dadurch, dass sie der Verlassenheit der Toten die Behausung, der Verwesung das Dauernde gegenübersetzen. Das sind Gräber in der Nähe des Dorfes oder Schädel beim Haus, in denen die Lebenskraft konzentriert ist. Große Trommeln in Menschengestalt sind die Ahnen. Tönende sogar, deren Stimme wie aus dunkler Tiefe aufklingt. Schädelgrabstätten und Opfertische umgeben die Menschen. Vom Künstler fordern die Nachfahren eine Fassung des Totenkopfes, aus dem Wissen, dass der kultisch umhegte Tote ein gesteigertes Leben führt. Schädelplastiken können weiße Muscheln als Augen haben, blaue Glasperlen darin als Pupillen, Perlmuttbelag, die das Muster nachahmen, das sich die Eingeborenen auf die Haut malen. Pflanzenfasern können das Haar bilden.
Trommeln in Abakuá, aus der Video-Installation von David Zink Yi
Trommeln in Abakuá, aus der Video-Installation von David Zink Yi - © by David Zink Yi Courtesy of Galerie Johann König.
Dem Priester nahe
Im Mittelpunkt steht bei den vormodernen Künstlern nicht das Genie und seine Eingebung, sondern die Gemeinschaft und ihre Ordnung. Viele Kunstwerke konnten nur von besonders begabten Menschen geschaffen werden. Sie genossen eine hohe Wertschätzung, bekamen Privilegien. Aber nicht wegen ihrem Genius, sondern wegen dem Nutzen für ihren Stamm. Die Begabung des Künstlers wird als Zauberkraft angesehen, die ihn in die Nähe des Priesters rückt.
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