
Phantasie paart sich mit Trostlosigkeit | Verschiedene Herangehensweisen
Verschiedene Herangehensweisen

Die heutigen Künstler wollen den Globalisierungs-Tendenzen Einhalt gebieten. Den glänzenden Versprechungen der Industriegesellschaft und der digitalen Welt werden altes Material, morsches Holz, rostiges Eisen, bemooste Steine entgegengesetzt. Natur, Lebensart und kulturelle Manifestationen der Tropen in all ihren magischen und konfliktträchtigen Ausformungen stellen einen Rohstoff von ungeahntem Potential und eine reichhaltige Fundgrube für zeitgenössische künstlerische Arbeit dar. Es ist spannend zu beobachten, ob und wie sich die Positionen der Künstler aus Tropenländern von jenen der gemäßigten Breiten unterscheiden. Über zwanzig Künstler aus tropischen und nichttropischen Ländern und auch einige aus Deutschland präsentieren ihren Blick auf die Tropen als Kunstwerk. Sie zeigen ihre Kunst mit den Themen „Nach der Sintflut“ (Natur und Landschaft), „Das kurze Leben“ (Menschenbilder, Porträts, Ahnen), „Die Farbe der Vögel“ (Farben und Abstraktion der Tropen), „Das verbotene Lachen“ (Klänge und Musik der Tropen), „Der zerbrochene Pfeil“ (Macht und Konflikte) und „Das städtische Drama“.

Telembauzim, ein exotisches Musikinstrument aus Holz, und Walkie-Talkie. Foto: Paulo Nenflídio - © by Paulo Nenflídio
Tiefes Waldgefühl
Die Fotografen Thomas Struth und Hans Christian Schink sind vom archaischen Tropenwald fasziniert. Das Gegenteil des aufgeräumten deutschen Forstes. Zwischen Noldes Aquarell „Rote Blumen“ und Struths peruanischen „Bougainvillea“ bestehen unübersehbare Parallelen. Besonders die Deutschen scheinen ein tiefes Waldgefühl zu haben, das von der Romantik verstärkt wurde. Diese Sehnsucht lässt den Schwarzwald oder den bayrischen Wald längst hinter sich, sucht seine Erfüllung in den tropischen Ländern.
Stille Wasser
In den modernen Arbeiten wird die gewohnte Vorstellung von Zeit und Fortschritt aufgehoben. Die Kunst ist eine Zeitmaschine, die in grauer Vorzeit ebenso zu Hause ist wie in der Gegenwart. Dass sich das Älteste und das Neueste am nächsten stehen, ist eine der Paradoxien der Kunst. In dem Video „In stillen Teichen lauern Krokodile“ von Marcel Odenbach empfindet man die Bildsprache als archaisch, obwohl es aus dem Jahr 2004 stammt. Umgekehrt können melanesische Skulpturen und afrikanische Nagelfetische eine sehr moderne Anmutung haben.
Die Fotografen Thomas Struth und Hans Christian Schink sind vom archaischen Tropenwald fasziniert. Das Gegenteil des aufgeräumten deutschen Forstes. Zwischen Noldes Aquarell „Rote Blumen“ und Struths peruanischen „Bougainvillea“ bestehen unübersehbare Parallelen. Besonders die Deutschen scheinen ein tiefes Waldgefühl zu haben, das von der Romantik verstärkt wurde. Diese Sehnsucht lässt den Schwarzwald oder den bayrischen Wald längst hinter sich, sucht seine Erfüllung in den tropischen Ländern.
Stille Wasser
In den modernen Arbeiten wird die gewohnte Vorstellung von Zeit und Fortschritt aufgehoben. Die Kunst ist eine Zeitmaschine, die in grauer Vorzeit ebenso zu Hause ist wie in der Gegenwart. Dass sich das Älteste und das Neueste am nächsten stehen, ist eine der Paradoxien der Kunst. In dem Video „In stillen Teichen lauern Krokodile“ von Marcel Odenbach empfindet man die Bildsprache als archaisch, obwohl es aus dem Jahr 2004 stammt. Umgekehrt können melanesische Skulpturen und afrikanische Nagelfetische eine sehr moderne Anmutung haben.
Hello! Goodbye!
Je mehr die Tropen verschwinden, desto mehr Zoologische Gärten und Safari-Parks werden errichtet und ausgebaut. Auf diesen Irrsinn macht uns Candida Höfer mit ihrer Fotoserie aufmerksam. Ihre Fotos aus ethnologischen Museen, den europäischen Schatzkammern mit tropischer Kunst, offenbaren die Sammelwut kolonialer Expeditionen.
Präsenz des Todes
Fernando Bryce legt in einer Serie von Zeichnungen zur deutschen Kolonialhistorie eine ironische Distanz zur
Je mehr die Tropen verschwinden, desto mehr Zoologische Gärten und Safari-Parks werden errichtet und ausgebaut. Auf diesen Irrsinn macht uns Candida Höfer mit ihrer Fotoserie aufmerksam. Ihre Fotos aus ethnologischen Museen, den europäischen Schatzkammern mit tropischer Kunst, offenbaren die Sammelwut kolonialer Expeditionen.
Präsenz des Todes
Fernando Bryce legt in einer Serie von Zeichnungen zur deutschen Kolonialhistorie eine ironische Distanz zur

Zoologischer Garten, Hamburg; aus einer Foto-Serie von Candida Höfer - © by VG Bild-Kunst / Courtesy of Johnen Galerie
Vergangenheit an den Tag. Diese Distanz ergibt sich an Hand der Rekonstruktion von alten Zeitungsausschnitten und Fotografien. Milton Marques wandelt auf den Spuren des deutschen Naturforschers Baron von Langsdorff, der um 1825 das unerforschte Hinterland von Brasilien bereiste. Marcel Odenbach filmte in Ruanda, ehemals Teil von Deutsch-Ostafrika, ein Massaker nicht wie eine Reportage oder mit Effekthascherei, sondern als Dokumentation und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander verwebend. Kane Kweis Sarg in Form einer Luxuslimousine macht die Präsenz des Todes deutlich sehbar.
Antinomisch durchleuchtete Fabelwesen
Wir sehen einen schwarzen Portier beim täglichen Überlebenskampf, die Spuren der Verwüstungen in Zentralafrika durch die Goldgräber in Katanga, die Ruinen der Paläste Diktator Mobutus, modern und riesig abgemalte alte afrikanische und asiatische Skulpturen, anatomische Schautafeln von tropischen Fabelwesen, erfahren vom geheimnisvollen kubanischen Männerbund „Abakuá" und von der okkulten Welt des brasilianischen Candomblé.
Antinomisch durchleuchtete Fabelwesen
Wir sehen einen schwarzen Portier beim täglichen Überlebenskampf, die Spuren der Verwüstungen in Zentralafrika durch die Goldgräber in Katanga, die Ruinen der Paläste Diktator Mobutus, modern und riesig abgemalte alte afrikanische und asiatische Skulpturen, anatomische Schautafeln von tropischen Fabelwesen, erfahren vom geheimnisvollen kubanischen Männerbund „Abakuá" und von der okkulten Welt des brasilianischen Candomblé.
Goldenes Dreieck
Kleidungsstücke aus tropischen Regionen sind phantasmagorische Farberuptionen, die jede Sprache verstummen lassen: Brautleute aus Indien, Bauern aus dem sog. Goldenen Dreieck im Grenzgebiet von Thailand, Birma und Laos, Indios aus Panama und Guatemala sowie Träger von „arte plumária" aus dem Mato Grosso scheinen aus dem flammenden Abendhimmel große Stücke von Purpur, Gold, Kirschrot und Kobaltblau herausgeschnitten und auf ihre Kleidung geheftet zu haben, die aus purem Licht gesponnen ist. Wer soll diese Kreationen heute tragen, die eine unergründliche Alchimie dem ersten Glimmen der Dämmerung entrissen hat?
Überwucherte Zivilisation
Spektakulär sind die Installationen von Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger. Ihre Materialien sind Orchideen und trockene Blätter bis hin zu bunten Papierblumen und Pailletten von Karnevalskostümen, mit denen Farbtupfer in große Skulpturen gebracht werden. Von der Decke des Ausstellungsraumes regnet gefärbter Kunstdünger, daraus wachsen Kristallstrukturen, die sich ins Wirrwarr der Pflanzen vorarbeiten. Eine hemmungslose Vegetation überwuchert ausrangierte Büromöbel und Computer, Telefonkabel werden zu Lianen. Abgestorbene Äste erwachen wieder zum Leben. Soll das bedeuten, dass die Tropen irgendwann die Zivilisation überwuchern werden?
Kleidungsstücke aus tropischen Regionen sind phantasmagorische Farberuptionen, die jede Sprache verstummen lassen: Brautleute aus Indien, Bauern aus dem sog. Goldenen Dreieck im Grenzgebiet von Thailand, Birma und Laos, Indios aus Panama und Guatemala sowie Träger von „arte plumária" aus dem Mato Grosso scheinen aus dem flammenden Abendhimmel große Stücke von Purpur, Gold, Kirschrot und Kobaltblau herausgeschnitten und auf ihre Kleidung geheftet zu haben, die aus purem Licht gesponnen ist. Wer soll diese Kreationen heute tragen, die eine unergründliche Alchimie dem ersten Glimmen der Dämmerung entrissen hat?
Überwucherte Zivilisation
Spektakulär sind die Installationen von Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger. Ihre Materialien sind Orchideen und trockene Blätter bis hin zu bunten Papierblumen und Pailletten von Karnevalskostümen, mit denen Farbtupfer in große Skulpturen gebracht werden. Von der Decke des Ausstellungsraumes regnet gefärbter Kunstdünger, daraus wachsen Kristallstrukturen, die sich ins Wirrwarr der Pflanzen vorarbeiten. Eine hemmungslose Vegetation überwuchert ausrangierte Büromöbel und Computer, Telefonkabel werden zu Lianen. Abgestorbene Äste erwachen wieder zum Leben. Soll das bedeuten, dass die Tropen irgendwann die Zivilisation überwuchern werden?

Umschlagtuch für die Braut aus Indien, 2. Hälfte 20. Jahrhundert, Seide mit Metallfäden bestickt. Dazu ein Rock aus Indien, Ende 19. Jahrhundert - © by SMB, Ethnologisches Museum. Foto: Martin Franken

Wollen Sie in Ihrem Leben, Ihrer Partnerschaft oder in der Gesellschaft etwas verändern? Dann brauchen sie ein Problem, am besten eine Krise! Denn ohne die freundliche Unterstützung von Krisen ist keine Veränderung zu erreichen, die diesen Namen v...mehr
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Advent und Weihnachten die stille Zeit des Jahres. Welche Musik würde dazu besser passen, als besinnliche Zither-Klänge? Hören Sie 20 der schönsten Weihnachtslieder sanft gezupft, mit zurückhaltender Begleitung: - Oh du fröhliche - Stille Nacht,...mehr
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